Selbstsabotage und wie wir diese demontieren können

Fragen Sie sich auch ab und zu, wie viel von Ihrem Potential Sie wirklich nutzen – und wie viel Sie nutzen könnten, wenn Sie sich gezielt fördern und die tägliche „halbe Stunde mehr“ in sich investieren?  

Zum Beispiel 30 Minuten täglich in Fitness, gute Ernährung, Verbesserung der Beziehungsqualität oder zur Anreicherung des eigenen Gedankengutes.

 Und wenn wir schon vom Verstand aus wissen, was wir uns Gutes tun können - warum tun wir es dann nur so selten?

 

Hier ein Sofort-Selbsterfahrungsbeispiel:

Schritt 1:

Lehnen Sie sich doch mal für 30 Sekunden zurück und überlegen sich, was Ihnen jetzt gerade guttun würde, was Sie sich nahezu sofort erfüllen können und

 

messen dann  im Schritt 2 den Widerstand auf einer imaginären Skala von 1 (kein Wiederstand bzw. ich habe sofort Lust aufzustehen und es zu tun) bis 10 (sehr hoher Widerstand bzw. die Umsetzung ist mir unmöglich) wenn Sie jetzt vom darüber nachdenken in die konkrete Umsetzung dieses einen für Sie Guten  kommen würden bzw. sollten.

 

 Und los, die 30 Sekunden laufen ab jetzt…


 

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, entweder Sie wissen gar nicht, was Sie sich gerade gutes Tun können und haben kurz ins Leere geschaut und dann gleich weitergelesen,

 oder Sie wissen was Ihnen guttut, hatten aber keine Lust den Widerstand für die Umsetzung zu „messen“,

 oder Sie haben etwas gefunden, den Widerstand gemessen und jetzt eine Zahl zwischen 1 und 10 im Kopf,

 oder Sie haben das eine Gute für sich direkt umgesetzt, dann gratuliere ich und freue mich umso mehr, wenn Sie jetzt hier weiterlesen.

Für die, die nicht wussten, was Sie hätten tun können,… hier ein paar Möglichkeiten:

 

sich ein Glas Wasser holen, das Fenster aufmachen und tief durchatmen, sich vorstellen Sie liegen im Schatten eines großen, grünen Baumes der auf einem sanften Hügel tief verwurzelt ist und sich im Wind wiegt, eine andere Person die sich im Blickkontakt befindet anlächeln oder sich in den Gedanken die letzte schön-intensive Erfahrung herholen, die Sie in der letzten Zeit erlebt haben und diesen Moment noch einmal im Nachhinein zu feiern.

 

Warum verzichten wir so gerne auf das, was uns guttut?

Das war jetzt eine 30-Sekunden-Übung. Den Tag umstellen und 30 Minuten für sich selbst „aufwenden“, und das Dauerhaft, weckt in der Regel noch mehr Widerstände. Gerne mit dem Totschlagargument „geht ja gar nicht, denn so viel Zeit habe ich gar nicht.“

 

Also nochmal, warum ist es so schwer?

Weil der beste Klebstoff dieser Welt nun einmal die Gewohnheit ist. Und Gewohnheit bedeutet Komfortzone. Sich aus der Komfortzone herauszubewegen ist ein Risiko, und Risikofreudig ist unser Gehirn nicht wirklich, es hat schon genug zu tun!

Es behält gerne die Kontrolle über alles und liebt es in einem leicht heruntergefahrenen, energiesparenden Zustand zu bleiben. Ich nenne diesen Zustand liebevoll den „Homer Simpson-Modus“.

Und das Gehirn liebt den Homer-Simpson-Modus. In diesem ist alles bekannt und dadurch maximal kontrollierbar. Das gibt Sicherheit. Das Gehirn kann ganz gemütlich die vorhandenen Synapsen wie gut ausgebaute Autobahnen verwenden, was deutlich einfacher ist als neue Bündnisse zu knüpfen, also sich sozusagen mit dem Buschmesser einen neuen Trampelpfad durch den Dschungel frei zu schlagen. 

Wir halten also fest: Das Gehirn liebt Gewohnheit und Sicherheit - es will tun was es ohnehin schon kann.

 

Die gute Nachricht:

Wenn Sie sich etwas vornehmen, mehr oder weniger hoch motiviert beginnen und nach kurzem das neue „Projekt“ langsam einschläft, brauchen Sie sich nicht dafür abzuwerten oder verurteilen. Stattdessen können schon einmal anerkennen, dass Sie durch die Entscheidung das Projekt aus den Denkschleifen zu befreien und in eine konkrete Tat umzusetzen ein gutes Stück weitergekommen sind und Ihr Gehirn mit dem alt bewährten Wiederstand bzw. Homer-Simpson-Modus reagiert. Es will nur wieder Energie sparen, und außerdem hat das schon so häufig gut funktioniert, warum nicht auch dieses Mal.

Jetzt heißt es motiviert bleiben und das dahinter stehende „Warum will ich das noch einmal“ klären. Hier ein paar hilfreiche Fragen: 

Warum ist mir die Veränderung wichtig? 

Woran merke ich, dass ich meine neuen Ziele umgesetzt habe. Was konkret ist dann anders? Wie merken das meine besten Freunde/Familie etc. 

Welchen Preis bin ich bereit dafür zu bezahlen, wozu bin ich täglich bereit um dieses Ziel zu erreichen – oder… 

Was ist der nächste - mir JETZT mögliche Schritt - für meine weitere Zielerreichung?

Jetzt kommt ein Geheimtipp, der Ihnen hilft, Ihre gesetzten Ziele und Lebensmottos wirklich und auf Dauer zu erreichen:   

Verknüpfen Sie es mit einem bereits vorhandenen Tagesritual (z.Bsp. direkt nach dem Zähneputzen, am Frühstückstisch, nach dem Nachrichten lesen oder wenn Sie Ihre Abendrunde gehen.

 Welche Tagesrituale haben Sie, und wie können Sie diese für sich verwenden?

 Durch das Verknüpfen Ihres neuen Verhaltens an ein bereits vorhandenes Ritual haben Sie sozusagen ein starkes, bekanntes Zugpferd aus dem eigenen Stall vor den (neuen) Karren gespannt. Das ist für das Gehirn zumindest anteilig vertraut und erzeugt dadurch deutlich weniger Widerstand.

 

Und zum Schluss:

Was sind denn eigentlich neue Mottos und Ziele bzw. für was können Sie die täglichen 30 Minuten verwenden?

Hier eine schöne Übung mit dem Namen „Das Rad des Lebens“:

  

Nehmen Sie einen Stift und mal sich das oben stehende Rad mit seinen einzelnen Teilbereichen ab.

Jetzt überlegen Sie sich, wie wichtig die einzelnen Felder für Sie aktuell sind und vergeben jeweils einen Wert von 1 (momentan unwichtig bzw. keine momentane Priorität) bis 10 (jetzt absolut erstrebenswert bzw. aktuell sehr hohe Priorität). Zum Beispiel das Feld Finanzen: Sie müssen gerade nicht jeden Cent umdrehen um Ihren Lebensstandard stabil zu halten, ebenso stehen in Kürze keine größeren Anschaffungen an… dann ist dieser Bereich auf einer Skala von und 10 nach meinem Denken etwa eine 3 zu vergeben. So tragen Sie in jedes Feld den für Sie passenden Wert ein.

Anschließend füllen Sie die einzelnen Bereiche mit Prozentzahlen bezogen auf den zuvor vergebenen Wert. Haben Sie zum Beispiel im Bereich „Finanzen“, für welchen Sie zuvor einen Wert von 3 vergeben haben, alles Notwendige getan, dann geben Sie sich hier 100%, sollten Sie sich als Selbständiger diesen Monat evtl. noch kein Gehalt ausgezahlt haben einen deutlich geringeren Wert. Und so weiter und so fort.

Fortgeschrittene können auch Prozentzahlen bis 300 % vergeben. Was bedeutet das? Ein Beispiel: Bei Ihnen läuft alles Stabil, das Geld fließt regelmäßig auf Ihr Konto, es stehen keine größeren Anschaffungen an… im vorigen Beispiel haben Sie einen Wert von 3 vergeben. Alles gut- aber… Sie arbeiten von früh morgens bis spät nachts wie ein Brunnenputzer daran, den Bereich Finanzen zu verbessern oder gar zu vervielfachen… dann tragen Sie sich am besten gleich mit rot hier eine Prozentzahl wie z.Bps. 300 % ein.

Dem Gegenüber steht evtl. der Bereich Freizeit. Mir ist Freizeit sehr wichtig und hat daher einen Wert von 9, davon erlebe ich aber gefühlt nur 20%, also für mich deutlich zu wenig.

 


Ich glaube, so sehen Sie recht schnell, wo Ihre Prioritäten liegen und wie viel Sie mehr oder weniger tun können um das jeweilige Bereichsziel- oder -Vision zu erreichen.

Welchem Bereich des Rad des Lebens möchten Sie ab sofort die „30-Minuten am Tag mehr“ gönnen? Und welches bereits vorhandene Ritual wird hierfür das Zugpferd?

Viel Spaß beim umsetzten, einen herzlichen Gruß

 

Martin Pröttel

von www.MartinProettel.de

 

Text von Irene Kasapis und Martin Pröttel, skizziert vom Nachwuchstalent Chris Graf www.martinproettel.de/talentschmiede.html